30. März 2016

mal abschalten!

Mal abschalten und abtauchen. Und zwar so richtig. Irgendwohin, wo keine Menschen, keine Autos, keine Straßen und auch keine Häuser mehr zu sehen sind. Abtauchen. An einen Ort wo keine Erwartungen mehr an mich gestellt werden, wo nicht hinter jeder Ecke noch eine Aufgabe auf mich wartet. Ein Ort, an dem es leicht fällt, einfach mal nichts zu tun.  Das ist ein regelmäßig wiederkehrender Wunsch und mehr noch- es ist eine Sehnsucht und ein Bedürfnis, dem ich manchmal nachgehen muss um wieder Kraft zu tanken für den Alltag hier mitten in der Stadt und auch um aus dem Abstand und der Stille heraus wieder klarer zu sehen, was mir wirklich wichtig ist.

Die Natur ist ein guter Ratgeber. Die Stille klärt den Blick. Das Geräusch von Bäumen, die sich im Wind bewegen, beruhigt meine Seele.

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Das Thema „einfach zu leben“ beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Über einen gesunden „Rhythmus“ im Leben habe ich hier schon einmal etwas geschrieben. Und meinem Vorhaben, in diesem Jahr keine neue Sachen anzuschaffen, insbesondere nicht, was Stoffe und Nähzubehör betrifft, bin ich bisher fast ganz treu geblieben. Ebenso wie dem Vorhaben, mein Leben zu „entrümpeln“. Und dazu gehört auch der große Keller unseres Hauses. Ein Keller ist wie geschaffen zum Sachen horten und stehen lassen, die man in Wirklichkeit nie mehr braucht, im schlechtesten Fall noch nie gebraucht hat und um die man sich einfach nicht kümmern möchte. „Aus den Augen aus dem Sinn“, könnte man meinen. Das ist aber nicht so! Denn die Wahrheit ist, dass alle diese Dinge irgendwie doch auch Ballast sind. Unnötiger Ballast. Mir hat es sehr gut getan mich von tausend Dingen zu befreien, die da unten schon lange kein Tageslicht mehr gesehen haben. Mit weniger Sachen leben, das gehört für mich auch zum „einfacher“ leben.

„Einfach leben“, das sollte auch die Devise für die Osterferien sein. So einfach, wie es klingt, ist es aber gar nicht. Denn es bedeutet, dass ich mich von Ideen und Illusionen verabschieden muss, die zum festen Repertoire meiner Gedanken gehören.  Wie oft täusche ich mich selbst und meine, dass ein weit entferntes Urlaubsziel mehr Erfüllung bringt als der Wald vor der Haustür. Und wie sehr bin ich es gewohnt, unseren Kindern immer neue und aufregende Erlebnisse bieten zu wollen nur weil ich glaube, dass sie dann „glücklicher“ sein werden. Und ich auch.

Wir haben über viele Reiseziele in diesen Osterferien nachgedacht, da war von Paris bis London so ziemlich alles dabei. Letztendlich haben wir dann nur ein paar Sachen gepackt und sind in den besagten „Wald“ vor der Haustür gefahren. Und das war eine sehr gute Entscheidung auch wenn unsere Jungs zuerst keine Lust auf dieses „langweilige“ Urlaubsziel hatten.

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Wir verbrachten sehr schöne stille Tage im Wald. Wir haben Spaziergänge gemacht, Tiere beobachtet, waren in der Sauna, haben alle zusammen das Finale von „The Voice Kids“ gesehen und meistens erst zur Mittagszeit gefrühstückt…

Einfach leben. Den Augenblick wirklich bewusst erleben. Meine Sinne öffnen für die Geräusche und Gerüche in der Natur. Eine Blume ansehen und mich über ihre Farben freuen. Über die Majestät und Kraft eines alten Baumes staunen. Mich berühren lassen vom Plätschern eines kleinen Baches. Einfach mal „abschalten“ und bei mir selber ankommen. Das ist doch eigentlich gar nicht so schwer. Und doch ist dieses „gegenwärtig sein“ eine Aufgabe, die mir sehr oft nicht besonders gut gelingt weil ich beschäftigt bin mit meinen Plänen für die Zukunft oder mit meinen Sorgen über ungelegte Eier. Ich denke über die Erwartungen, die andere möglicherweise an mich stellen, nach, ich bewerte und beurteile von morgens bis abends Menschen und Situationen. Meistens ziemlich kritisch und am meisten mich selbst. Und dabei verausgabe ich mich. Dabei verschwende ich unnötig meine Lebensenergie und verpasse den Moment. Der einzigartig und kostbar ist und nie wieder kommt.

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Vor ein paar Monaten habe ich mir einmal ein kleines Armband gefädelt. „JETZT“ steht darauf und es ist eine kleine Erinnerungshilfe für den Alltag. Immer, wenn ich es trage und ansehe, versuche ich mich daran zu erinnern, dass das Leben „Jetzt“  stattfindet. Nicht gestern, nicht morgen, nicht irgendwoanders sondern jetzt und hier. Genau da, wo ich gerade bin. Egal ob in Bochum, im Wald oder irgendwo sonst. Und in diesem Moment, im „Jetzt“ steckt alles drin, was ich brache um glücklich zu sein.

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Das ist doch eigentlich ganz einfach, oder nicht?

  • Britta

P.S. Kann mir mal einer verraten, warum das Einfachste trotzdem immer auch das Schwerste ist?!

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5 Gedanken zu „mal abschalten!

  1. Carina

    So wahr und ein ganz toller Artikel! Besonders die Idee mit dem Armband finde ich toll. Vllt lege ich mir auch demnächst mal so eins zu, damit man immer etwas hat, das einen daran erinnert, wenn man mal wieder zu viel über gestern und morgen grübelt.. So jemand bin ich nämlich leider auch ;)
    Liebe Grüße, Carina

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  2. Marion

    Du sprichst mir aus der Seele!
    Jetzt weiß ich, dass ich nicht alleine bin … auch nicht komisch ( wie ich oft über mich höre!)
    :)

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  3. Alizeti

    Solche Tag sind so wertvoll. Einfach einmal geniessen und an nichts anderes denken. das gelingt mir oft nur, wenn ich mit der Kamera unterwegs bin oder für ein Wochenende zum Schwesterlein auf die Alp gehe. Fernab von To-do-Listen, Laptop und eventeulle mit nach Hause genommener Arbeit. Einfach sein und die Natur geniessen. Und doch versuche ich es oft auch im Alltag einzubauen. Dieses „in-den-Tag-leben“. Und du hast recht, einfach ist am schwierigsten.
    Liebe Grüsse Alizeti
    P.S.: Im Übrigen sind es wundervolle Bilder, die du gemacht hast,an eurem stillen Ort.

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    1. Britta Hamel Beitragsautor

      Liebe Alizeti, das stimmt, die Kamera schärft auch den Blick für die unendlich vielen Schönheiten, von denen wir umgeben sind! Und diese Momente im Alltag einzufangen und bewusst zu erleben ist schon ein guter Anfang um „einfach“ zu leben! Liebe Grüße!

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