2. Januar 2016

Rhythmus trägt Leben. Gedanken zum Jahreswechsel.

 

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Nach dem ganzen Trubel der Weihnachtszeit verbringen wir fast jedes Jahr die „Zwischenzeit“ vor dem Beginn des neuen Jahres in Nordholland. Das ist Entschleunigung, Erholung und glückliche Auszeit pur. Wie jedes Jahr nutze ich diese Zeit um Rückschau zu halten, schreibe ich Momente aus dem vergangenen Jahr auf, die mir besonders erschienen, manchmal blicke ich nach vorne und überlege mir,  worauf ich im neuen Jahr achten möchte. In diesem Jahr habe ich meine Gedanken in ein altes Notizbuch geschrieben, das mich schon seit Jahren begleitet. Auf dem Einband dieses Notizbuches steht der Satz „Rhythmus trägt Leben“. Diesen Satz habe ich schon so oft gelesen. Aber dieses Mal veranlasste er mich, mich ein wenig mehr mit dessen Bedeutung zu beschäftigen.

Was ist Leben? Als der Chemiker Dr. Rudolf Hauschka im Jahr 1924 diese Frage an Dr. Rudolf Steiner richtete, erhielt er folgende Antwort:

„Studieren Sie die Rhythmen. Rhythmus trägt Leben“.

Wenn wir über das Leben nachdenken, finden wir unzählige Rhythmen. Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Wärme und Kälte, wachsen, blühen und verwelken der Pflanzen im Jahreszeitenverlauf. Unser Puls und die Atmung bewegen sich rhythmisch. Im Monatsrhythmus schwingt der Zyklus der Frau. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

Durch einen rhythmischen Tagesablauf, der zu mir passt, kann ich mir das Leben einfacher machen, denn Rhythmus ersetzt Kraft. Dabei ist es wichtig, Rhythmus nicht mit Takt zu verwechseln. Ein Takt teilt die Zeit starr ein und ohne Abweichungen. Rhythmus hingegen erlaubt Variationen in der zeitlichen Abfolge und auch in der Dynamik. Rhythmisch zu leben, meinen eigenen Rhythmus zu finden, setzt voraus, dass ich mir gegenüber aufmerksam bin. Als Mutter von zwei Kindern bedeutet ein rhythmisches Leben zu führen aber auch herauszufinden, wie ein „Familienrhythmus“ aussehen kann, der allen Beteiligten möglichst gerecht wird. Das ist nicht immer ganz leicht, denn der natürliche Rhythmus eines Einzelnen kann sich sehr von dem eines Anderen unterscheiden. Ein einfaches Beispiel dafür ist z.B. das Einsetzen von Hungergefühl. Während meine beiden Kinder morgens um sieben Uhr schon eine große Schüssel Müsli verputzen können, gelingt es mir frühestens ab 9 Uhr einen Bissen herunterzubringen. Mein großer Sohn ist abends oft noch putzmunter, wenn ich schon längst im Bett liege. Mir fällt das Aufstehen am Morgen leichter als meinem Mann. Er hat mittags aber nicht so ein Leistungstief wie es bei mir der Fall ist. Das unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. Aber es ist spannend zu beobachten und sich dieser Unterschiede bewusst zu sein. Und es ist eine echte Herausforderung diese anzunehmen. Und das zuallererst erst einmal bei mir selbst.

Meinem eigenen Rhythmus zu folgen, ihm mehr Aufmerksamkeit zu widmen und ihn annehmen, das wünsche ich mir für das neue Jahr. Das ist kein neues Vorhaben, sondern ein Prozess, der mich ja in Wirklichkeit ein Leben lang begleitet. Ich finde es faszinierend, wie man den eigenen „Gesetzmäßigkeiten“ immer mehr auf die Schliche kommt, je älter man wird. Die eigentliche Herausforderung liegt für mich darin, aus dem, was ich über mich weiß, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Mir zu erlauben, diese Party abzusagen, wenn sich mein Körper nach Rückzug sehnt. Zu akzeptieren, dass ich im Winter nicht zu Höchstleistungen imstande bin. Ins Bett zu gehen, auch wenn alle anderen noch wach sind. Eine Mahlzeit nicht zu mir zu nehmen, wenn ich gar keinen Appetit habe… Das ist nicht immer leicht, denn in unserem hochtechnisierten und durchgetakteten Leben finden rhythmische Schwankungen weder Beachtung noch sind sie erwünscht. Aber es gibt sie. Jeder Mensch ist ihnen unterworfen. Und ich bin überzeugt davon, dass sich eine Menge an Burnouts und psychischen Erkrankungen vermeiden ließen, wenn wir Menschen mehr auf diesen Rhythmus, der Leben trägt, achten würden.

Während ich „zwischen den Jahren“  über diese Zeilen nachdachte, entdeckte ich zufällig den Blogpost einer mir bisher unbekannten Bloggerin, die ebenfalls über das Thema „Rhythmus“ nachgedacht hat. Wenn du also mehr dazu lesen möchtest, hüpf doch einmal zu Anna vom Blog Passionflow rüber! Sie hat einen sehr ausführlichen und tollen Post zum Thema geschrieben.

Zum Schluss möchte ich dir und euch aber ein wundervolles neues Jahr wünschen! Ein Jahr voller wohltuender Momente, liebevoller Menschen ein Jahr voller Leben. Mit allem, was dazugehört.

  • Britta

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4 Gedanken zu „Rhythmus trägt Leben. Gedanken zum Jahreswechsel.

  1. Margret

    Interessante Gedanken zum Rhythmus, dazu gehören sicher lichtere und dunklere Stunden.
    Ich bin gerade in Deinem letzten Bild versunken. Spannend ist ja, dass das Licht stärker ist als die Dunkelheit. Ist Licht da, wird das Dunkel hell.
    Ich wünsche uns allen viel Licht!
    Und außerdem freue ich mich, dass Du Deinen Blog weiter führst!
    Lieben Gruß
    Margret

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  2. Alizeti

    Was für wunderschöne Worte zu einem so wichtigen Thema! Ich wünsche dir viel Erfolg beim wahrnehmen deines Rhythmuses und dich ihm anzupassen.
    Liebe Grüsse Alizeti

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